Bericht der Konferenz 2019 --VERTRAUEN BAUEN--

VERTRAUEN BAUEN

 

Vom 12. bis 15. September 2019 fand die Konferenz des Europäischen Verbandes Freikirchlicher Diakoniewerke (EVFD) in Tbilisi, der Hauptstadt Georgiens statt. Dort trafen sich Vertreter freikirchlicher diakonischer Einrichtungen aus Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Georgien. „Diakonie im interreligiösen Kontext – wie wir Vertrauen bauen können“ lautete das Konferenzthema.

 

Hauptredner war Malkhaz Songulashvili, Erzbischof der Evangelisch-Baptistischen Kirche in Georgien. Ein besonderes Beispiel für gelebte Diakonie ist der Umgang der baptistischen Gemeinde in Tiflis mit den Flüchtlingen des letzten Tschetschenien-Krieges. „Die Moslems im Nordkaukasus sind seit Jahrhunderten unsere traditionellen Feinde“, erklärte Bischof Songulashvili. „Und nun standen sie plötzlich als Flüchtlinge vor unserer Tür. Als Gemeinde haben wir beschlossen, uns um sie zu kümmern. Die Beziehungen zu den Moslems haben auch uns Christen positiv verändert. Deshalb haben wir als baptistische Kirche die Friedensakademie gegründet. Sie fördert die interreligiösen Begegnungen in Georgien.“ Dass diese Förderung tatsächlich Früchte trägt, zeigten die Gastredner der Konferenz.

 

Giorgi Tserodze ist Priester der Orthodoxen Kirche in Georgien. Sein Grußwort war von Wohlwollen und freundschaftlicher Annahme geprägt. Rabbiner Alexander Rosenblatt der jüdischen Gemeinde in Tbilisi erinnerte daran, dass schon die Thora nicht von Isolierung, sondern von Integration spricht. Scheich Mirtag Asadov, der schiitische Vertreter der Muslimischen Union von Georgien, erläuterte den diakonischen Ansatz des Islam. Pir Dimitry Pirbar ist Vorsitzender des geistlichen Rates der Jesiden in Georgien. Der jesidische Glaube ist weder christlich noch islamisch, sondern eine Ethno-Religion. Beheimatet sind die Jesiden im Irak. 2014 kam es erneut zu einem Genozid an dieser Volksgruppe. „70 von uns kamen als Flüchtlinge nach Tblilisi“, sagt Pirbar. „Baptisten und Muslime haben uns unterstützt. Gott segne euch dafür.“ Als Vertreter der sunnitischen Moslems in Georgien sprach zum Schluss Zurab Kemal Tsetskhladze: „Religion verpflichtet zu guten Taten. Der Koran sagt: Wer einen hungrigen Nachbarn hat, darf nicht ruhig schlafen.“

 

Am zweiten Konferenztag besuchten wir zunächst die Hauptmoschee von Tbilisi. Weltweit ist diese Moschee einzigartig, denn nur hier beten Sunniten und Schiiten gemeinsam. Die Armenisch-Apostolische Kirche erinnerte uns an die Trennungen unter den Christen, denn die armenische Kirche ist eine Abspaltung der Orthodoxen Kirche. Die Synagoge konnten wir am Sabbat nur von außen betrachten. Im baptistischen Diakoniezentrum Beteli ist es egal, welcher Religion ein Pflegebedürftiger oder Flüchtling angehört. Die Konferenzteilnehmer durften zu Gast sein beim 20-jährigen Jubiläum dieser Einrichtung und der hier gegründeten Nino-Schwesternschaft. Letzte Gastgeber dieses Tages waren die Jesiden, die uns ihren architektonisch beeindruckenden Tempel zeigten und erklärten und uns anschließend zu einem Imbiss einluden.

 

Den Abschluss der Konferenz bildete am Sonntag ein bewegender liturgischer Gottesdienst in der Friedenkathedrale der Baptisten in Tbilisi, in dem der Methodistenpastor Andreas Kramer aus Nürnberg die Predigt hielt. Auch der muslemische Bruder Akbar Moghadasi war mit seiner Ehefrau Zia dabei. Ein Zeichen für gelebte interreligiöse Begegnung und gewachsenes Vertrauen!
(Annekatrin Warnke)

 

v.l.n.r.:
Dolmetscherin Marika Kereselidze Pastor Dr. Stefan Stiegler, Präsident des Europäischen Verbandes Freikirchlicher Diakoniewerke Rabbiner Alexander Rosenblatt, Deputy Chief Rabbi of Georgia Sheik Mirtag Asadov, Chairman of the Supreme Council of Muslims of Georgia Malkhaz Songulashvili, Baptist Metropolitan Bishop of Tbilisi Pir Dimitry Pirbar, Akhtiar of Georgia and Former Soviet Republics Giorgi Tserodze, Orthodox priest and Georgian army chaplain

 

 

 

 

v.l.n.r.:
Pastor Elimar Brandt, Vorstand der Borghardt Stiftung zu Stendal Fredy Jorns, ehem. Direktor von Bethanien Zürich Andreas Kramer, Direktor des Diakoniewerks Martha-Maria Nürnberg Malkhaz Songulashvili, Baptist Metropolitan Bishop of Tbilisi Bishop Rusudan Gotsiridze, Baptist Bishop of Central Georgia Pastorin Daria Kraft, Karlsruhe Nanuka Zumbilidze, Ordained Deacon and Assistant to the Metropolitan Bishop Pastor Dr. Stefan Stiegler, Präsident des Europäischen Verbandes Freikirchlicher Diakoniewerke

 

Europäischer Verband Freikirchlicher Diakoniewerke
Pastor Dr. Stefan Stiegler, Präsident
Albertinen Diakoniewerk Hamburg
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