EVFD Konferenz 2015

Pressemitteilung des Europäischen Verbands Freikirchlicher Diakoniewerke, 21.09.2015

 

Wertschätzung bringt messbaren Erfolg

 

Leichlingen (bei Köln) – Diakonische Einrichtungen müssen heute kundenorientierter arbeiten. Dies forderte der Hamburger Gesundheitsunternehmer Prof. Heinz Lohmann vor dem Europäischen Verband Freikirchlicher Diakoniewerke (EVFD), der vom 17. bis 20. September 2015 in Leichlingen unter dem Thema „Wirtschaftlichkeit und Wertschätzung – und die Herausforderungen der Zukunft an die Diakonie“ tagte. Dazu gehöre auch, modernste digitale Technik und Methodik zu nutzen. So könnten Mitarbeiter Freiräume erhalten für ihre „eigentliche Arbeit“, sagte Lohmann vor 40 Teilnehmern aus fünf europäischen Ländern im Begegnungszentrum des Diakoniewerks Pilgerheim Weltersbach. Sie vertreten 19 diakonische Einrichtungen.

Vor allen die Digitalisierung erfordere eine andere Arbeitsweise. Allerdings verzichte die Medizin in ihrem Kerngeschäft noch weitgehend auf modernste digitale Technik. Mündigere Kunden fragten heute laut Lohmann verstärkt Produkte nach, die mit einem konkreten Leistungsversprechen verbunden seien. Dies erfordere auch eine andere Ansprache in christlichen Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.

Mit Blick auf Entwicklungen im privaten Gesundheitssektor empfahl Lohmann den diakonischen Mitgliedereinrichtungen im EVFD, sich stärker zu vernetzen und zukunftsfähige Produkte gemeinsam zu entwickeln. Dies bedeute auch ein Abschied von der Perspektive, Patienten oder Bewohnern zuallererst Hilfe leisten zu wollen.

Wertschätzung gegenüber den Kunden, aber vor allem auch gegenüber den eigenen Mitarbeitern rechne sich. Das verdeutlichte Hubertus von Stein, Vorstand der xpand-Stiftung (Dortmund). Wertschätzung verändere die Atmosphäre in einem Unternehmen. Dazu müssten Führungskräfte die Stärken ihrer Mitarbeiter gut kennen, keine konstruktiven Konflikte scheuen, Ziele klar definieren und konzentriert ansteuern sowie erreichte Ergebnisse durch messbare Kennzahlen darstellen. Dabei könnten durch eine wertschätzende Kommunikation einzelne Mitarbeiter, aber auch ganze Teams oder Abteilungen auf vielfältige Weise eingebunden werden. Eine gute Motivation verringere teure Fehltage.

So sei beispielsweise, wie von Stein erläuterte, bei neuen Mitarbeitern die erste, unwiederholbare Stunde im Unternehmen sehr wichtig und das Gespür, willkommen zu sein. Zur wertschätzenden Führung gehöre auch, Verantwortung zu teilen, Mitarbeiter zu qualifizieren oder Stellenbeschreibungen anzupassen.

In seinem Geschäftsbericht betonte EVFD-Präsident Fredy Jorns (Schweiz): „Die Art und Weise unserer Führung hat einen entscheidenden Einfluss auf das Gelingen der Gestaltung und der Zukunft der zu leitenden Institution.“ Zugleich begrüßte Jorns das Engagement von Eurodiaconia, dem Zusammenschluss von 45 diakonischen Verbänden mit Sitz in Brüssel: „Europa im Wandel erfordert dort, wo die Nationalstaaten überfordert sind, die Mitwirkung von Nichtregierungsorganisationen, um die zu stützen und zu fördern, die am Rande unserer Gesellschaften stehen und mit ihnen für die Verbesserung ihrer Lage zu arbeiten.“ Stefan Burger von Eurodiaconia nannte als aktuelle Tätigkeitsschwerpunkte die Entwicklung einer Migrationspolitik, die Inklusion der Roma sowie eine verbesserte Armutsbekämpfung im Rahmen des EU-Programms 2020.

Der EVFD trifft sich alle zwei Jahre. Ihm gehören 28 Mitgliedseinrichtungen aus acht europäischen Ländern an. Als neues Mitglied wurde in Leichlingen das Diakoniewerk der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Baden-Württemberg e.V. aufgenommen. Die nächste Tagung findet vom 14. bis 17. September 2017 in Zürich statt.

 

Holger Gohla, D